WeAreSPIE: Im Gespräch mit Kay Bentfeldt
Kay Bentfeldt, Sie sind zuständig für das Thema Hygiene- und Reinraumtechnik und agieren zudem als Freier Sachverständiger des BVFS (Bundesverband Freier Sachverständiger) für vier Bereiche: Hygienemanagement für Kliniken, Reinraumtechnik, mikrobiologische Sicherheitswerkbänke und Hygienetechnik. Welche Aufgaben sind mit dieser Tätigkeit verbunden?
Als Servicetechniker für „technische Hygiene“ qualifiziere ich einerseits Reinräume und überprüfe andererseits mikrobiologische Sicherheitswerkbänke, also die sterilen Bereiche, in denen beispielsweise Labortechnikerinnen und -techniker und Forscherinnen und Forscher arbeiten.
Reinräume finden sich im Gesundheitswesen ebenso wie in der Industrie. So nehme ich beispielsweise Operationssäle oder große Apotheken, die selbst Medikamente produzieren, ab. Ich betreue aber auch Produktionsstätten der Autoindustrie, da es in dieser Branche ebenfalls Arbeitsbereiche gibt, die nicht von Schmutzpartikeln oder Keimen belastet sein dürfen. Für jede Qualifizierung erstelle ich zusammen mit den Nutzerinnen und Nutzern der Räume zunächst sogenannte Qualifizierungspläne. In diesen werden Vorgaben und Grenzwerte festgelegt, an denen sich meine anschließenden Messungen orientieren. Da die von mir qualifizierten Bereiche hohen Sicherheitsstufen unterliegen, steht bei meiner Tätigkeit häufig der Personenschutz im Vordergrund, also der Schutz der Menschen, die in dieser Umgebung arbeiten: vor gefährlichen und bisweilen lebensgefährlichen Erkrankungen. Entsprechend hoch sind die Auflagen und Vorschriften, die zum Beispiel Krankenhäuser oder die Pharmaindustrie im Hinblick auf die Keimfreiheit erfüllen müssen. Und entsprechend umfangreich sind die Pläne, die ich erarbeite.
Nach der Fertigstellung der Qualifizierungspläne führe ich Messungen durch und dokumentiere die Ergebnisse. Fallen bei den Messungen Unstimmigkeiten bei den Werten auf, erarbeite ich eine entsprechende Lösung. Diese orientiert sich an den jeweiligen Vorgaben und kann vom einfachen Austausch eines Ventils über die Vakuumisierung von kontaminierten Filtern bis zur „Impfung“ einer Lüftungsanlage mit speziellen Chemikalien reichen.
Und welche Tätigkeiten führen Sie bei der Überprüfung der mikrobiologischen Sicherheitswerkbänke aus?
Ich überprüfe beispielsweise Schwebstofffilter und kontrolliere, ob diese richtig montiert sind und den Herstellerangaben entsprechend ihre Filterleistung (Abscheidegrad) erbringen. Dazu belaste ich sie unter anderem mit Aerosol und scanne im Anschluss, wie viel Aerosol die Filter passiert. Zudem messe ich die Luftgeschwindigkeiten. Anhand der Prüfungsergebnisse entscheide ich, ob die Sicherheitswerkbänke abgenommen werden können oder ob Wartungs- bzw. Instandsetzungsarbeiten notwendig sind. Auch hier gibt es strenge Vorgaben, denn die Institute müssen sicherstellen, dass die Personen, die an den mikrobiologischen Sicherheitswerkbänken arbeiten, bei ihrer Tätigkeit nicht kontaminiert werden.
Daneben helfe ich Laboren und Betrieben dabei, ihre Arbeitsplätze sicherer zu gestalten und Tätigkeiten möglichst gefahrlos auszuführen: Ich stehe diesen beratend zur Seite, erarbeite Möglichkeiten für die sichere Arbeitsplatzgestaltung und unterstütze anschließend bei der Umsetzung. Schließlich geht es dabei immer um Aufgabenbereiche, die mit einem größeren Gesundheitsrisiko verbunden sind und bisweilen auch lebensgefährlich sein können.
Gibt es besondere Projekte, an denen Sie arbeiten?
Ein außergewöhnliches Projekt war etwa die Entkeimung des Tropenhauses im Tierpark Hagenbeck in Hamburg. Wie alle Tierparkbetreiber stand auch Hagenbeck vor dem Problem, dass Lüftungsanlagen in Tropenhäusern aufgrund der hier vorherrschenden hohen Luftfeuchtigkeit schnell und massiv verkeimen. Da im Hamburger Tropenhaus jedoch auch Menschen flanieren und sogar bewirtet werden, unterliegt dieser Bereich bestimmten Grenzwerten in Bezug auf die Keimbelastung in der Umgebungsluft. Die Einhaltung dieser Grenzwerte wird vom Gesundheitsamt überwacht. Werden sie überschritten, müssen Gegenmaßnahmen zur Entkeimung eingeleitet werden. Im Tropenhaus kam eine herkömmliche chemische Entkeimung jedoch nicht infrage, weil Tiere sehr sensibel auf jegliche Giftstoffe reagieren.
Stattdessen haben wir die Lüftungsanlage mit einer Desinfektionsanlage gekoppelt, die mit Wasserstoffperoxid arbeitet und bereits mit minimalen Konzentrationen Keime abtötet. Da dieses Desinfektionsmittel in Wasser und Sauerstoff zerfällt, führen die Abfallprodukte zu keiner Belastung. Im Gegenteil: Es stellte sich heraus, dass die Impfung der Lüftungsanlage mit Wasserstoffperoxid nicht nur die Keime binnen kürzester Zeit abtötet, sondern sogar den Sauerstoffgehalt der Luft erhöht und die Luftqualität optimiert, ohne dass unerwünschte Nebenwirkungen für den Menschen, die Tiere oder die Vegetation auftreten. Zum Schutz der dort lebenden Pinguine wurde diese Lösung später auch im Eishaus installiert. Viele Krankenhäuser setzen das System mittlerweile ebenfalls ein, um eine keimfreie Umgebung zu schaffen.
Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?
Wenn ich Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme wie etwa jene Tropenhausentkeimung finde, ist das sehr befriedigend. Auch wenn ich unsere Kunden bei Hygiene- oder umwelttechnischen Fragen mit individuellen Lösungen unterstützen kann, macht mich das stolz. Darüber hinaus ist jedes Projekt anders und stellt andere Anforderungen – das macht meine Tätigkeit sehr spannend. An manchen Tagen bin ich morgens in einem Referenzlabor tätig und nachmittags beispielsweise in einem Operationssaal – und jeder Arbeitsplatz fordert mich auf seine eigene Weise. Die vielen unterschiedlichen Projekte und die außergewöhnlichen Einsatzorte, die ich durch meinen Job bei SPIE erleben kann, begeistern mich sehr – deshalb freue ich mich jeden Tag aufs Neue auf meine Arbeit!
Lassen Sie uns auf Ihren Karriereweg blicken. Wie sieht Ihre bisherige Entwicklung aus und warum haben Sie sich für SPIE als Arbeitgeber entschieden?
Ich bin seit 2004 bei SPIE und bin seitdem für den spezifischen Bereich der Hygiene- und Reinraumtechnik verantwortlich. An SPIE hat mich sofort begeistert, dass ich hier vielfältige und herausfordernde Projekte betreuen kann.
SPIE ist darüber hinaus ein Unternehmen, das die eigenen Mitarbeitenden sehr fördert. Ich habe Elektromaschinenbauer und Luftfahrzeug-Elektromechaniker gelernt, bin staatlich geprüfter Elektrotechniker und Betriebswirt für Ingenieure auf Basis des technischen Betriebswirts. Außerdem bin ich staatlich geprüfter Desinfektor und habe eine Fachausbildung zum Servicetechniker für mikrobiologische Sicherheitswerkbänke. Ich bin geprüfter Reinraumtechniker, geprüfter Hygienetechniker und seit 2015 auch im Bundesverband für Freie Sachverständige, und zwar in vier Fachbereichen. Eine Reihe dieser Ausbildungen und viele Fortbildungen habe ich während meiner Zeit bei SPIE absolvieren können und wurde dabei immer sehr unterstützt.
SPIE bietet mir aufgrund der Unternehmensgröße und der internationalen Aufstellung auch die Möglichkeit, meinen Beruf quasi europaweit auszuüben, sodass ich jederzeit meinen Wohnort wechseln könnte, ohne dabei meinen Arbeitgeber oder meine Tätigkeit wechseln zu müssen. Nicht zuletzt ist SPIE ein Unternehmen, bei dem die oft zitierte Work-Life-Balance wirklich gelebt wird.
Was waren bisher Ihre persönlichen Highlights bei SPIE?
Nun, im Grunde ist jeder Tag ein Highlight für mich. Ein besonderes Highlight war aber beispielsweise ein Projekt, das ich vor Jahren abgewickelt habe und das heute noch Auswirkungen auf meine Tätigkeit hat. Ich habe damals eine Ausarbeitung über den gefahrlosen Austausch von biologisch kontaminierten Filtern verfasst, also die Entsorgung von kontaminierten gentechnischen Materialien. Dabei stellte ich fest, dass sich alle die zu dieser Zeit gültigen Gesetze und Vorschriften wie zum Beispiel die Biostoffverordnung lediglich mit kleinen Filtern beschäftigten, jedoch die bisweilen tischgroßen XXL-Modelle nicht erwähnten. Entsprechend habe ich hierfür seinerzeit eine Lösung erarbeitet und vorgeschlagen, solche Filter in einen Vakuumentsorgungssack einzuschweißen. In diesem Zuge nahm das RKI über den Beauftragten für biologische Sicherheit des jeweiligen Labors Kontakt mit mir auf und auch mit dem Umweltamt bin ich seither in stetigem Austausch. Im letzten Jahr habe ich das Projekt dann weitergeführt und auf Basis der bei Hagenbeck eingesetzten Entkeimungsanlage eine Lösung entwickelt, um jene riesigen Filter endgültig zu dekontaminieren.
Was sind Ihre beruflichen Ziele?
Ich möchte meine Abteilung gern weiter ausbauen – und habe damit bereits begonnen. Früher war ich der einzige Spezialist im Bereich Hygiene- und Reinraumtechnik. Inzwischen sind die meisten Servicetechnikerinnen und -techniker bei uns in der Niederlassung auf Hygiene geschult worden (VDI 6022) und einige Kolleginnen und Kollegen sind und werden für die Bereiche Labortechnik und Reinraumqualifizierung von mir geschult. Das Thema hat Potenzial und bei SPIE habe ich die Möglichkeit, dieses weiterzuentwickeln und aktiv mitzugestalten.